Diakonische Identität

Gottes größte Leidenschaft sind wir Menschen. Der Glaube an ihn setzt uns für Menschen in Bewegung.

Die Diakonie ist heute einer der großen Arbeitgeber Deutschlands. Tausende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sollen dafür sorgen, dass dem Gebot der Nächstenliebe Genüge getan wird, Menschen in Not geholfen wird und unsere Gesellschaft menschlichere Züge bekommt. Doch was wissen die Pflegekräfte, Berater, Sozialarbeiter und andere Diakonie-Spezialisten noch von ihrem Auftrag und ihrem Auftraggeber?

Verstehen sie sich noch als Menschen in den Fußstapfen Jesu, die die Menschenliebe Gottes nicht nur predigen, sondern auch erlebbar machen wollen? Die Identifikation der Mitarbeiterschaft mit dem diakonischen Auftrag und dem christlichen Glauben hat mit dem Wachsen der Mitarbeiterzahlen abgenommen. Doch ein Kronenkreuz am Hauseingang, ein christliches Unternehmens-Leitbild und eine christliche Präambel im Dienstvertrag macht noch keine als christlich erkennbare diakonische Arbeit aus.

Wir stellen fest, dass viele unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen noch wenig Berührung mit dem christlichen Glauben hatten und wenig über ihn wissen. Sicher, so gut wie alle sind Mitglieder einer Kirche. Aber was heißt das schon? Wir haben uns in den letzten Jahren intensiv Gedanken gemacht, wie wir unseren Mitarbeitenden etwas von dem Glauben, der uns persönlich wichtig und wertvoll ist und den wir weitertragen wollen, vermitteln können.

Daraus hat sich unter anderem ein Kurssystem entwickelt, das alle neuen Mitarbeiter durchlaufen. Beim ersten Seminar lernen die Neuen anhand von biblischen Texten, was hinter dem Leitsatz der Stadtmission "Die größte Leidenschaft Gottes sind wir Menschen. Der Glaube an ihn setzt uns für Menschen in Bewegung" steckt. Dann gibt es ein Seminar über diakonische Unternehmenskultur: Wie gehen wir miteinander um, wenn jeder Mensch von Gott gewollt und geliebt ist? Mit Heimbewohnern, mit unseren Kollegen, wie, wenn es Konflikte zu bewältigen gibt?

Schließlich endet der Kurs mit dem Thema "Liebe deinen Nächsten - und dich selbst." Darin werden Überlegungen darüber angestellt, wie Menschen, deren Beruf es ist, für andere einzustehen, selbst Empfangende sein können und Kräfte sammeln können. Welche Beziehungen tragen mich? Was braucht mein Körper? Welchen Interessen möchte ich Raum geben? Was braucht meine Seele?

Inzwischen haben schon über 100 unserer Mitarbeitenden diesen Kurs miterlebt. Viele interessante Begegnungen liegen hinter uns. Die große Mehrzahl unserer Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen war sehr aufgeschlossen und interessiert an den Themen und Impulsen. Nach einem Kurs kam eine ausländische Hauswirtschaftskraft zu mir und sagte: "Heute ich habe erste Mal in meine Leben eine Text aus Bibel gelesen." Eine andere Frau wollte das Friedens-Gebet von Franz von Assisi, das ich gelesen habe - fürs Stationszimmer.

Nur einmal fand eine Mitarbeiterin, dass das doch zu weit ginge, wenn man in einer Fortbildung einen Bibeltext miteinander lesen soll. Wir wollen weiterhin kreativ daran arbeiten, den "diakonischen Durchdringungsgrad" in der Evangelischen Stadtmission zu erhöhen. Tod und Sterben, Arbeitslosigkeit und Wertlosigkeit, Sucht und Sinn, all das sind Themen, mit denen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen konfrontiert sind. Und zu allen hat unser christlicher Glaube etwas zu sagen.

Norbert Aufrecht, Stadtmissionar

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