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Aktuell: BZ-Bericht über Ehrenamt bei der Bahnhofsmission

Im Rahmen einer Serie über das Ehrenamt berichtet die Badische Zeitung am 15.08. über die Bahnhofsmission Freiburg.

Zum Bericht

 


Aus dem "vonWegen"-Magazin der Ev. Stadtmission, Ausgabe 1/14

 


Eine unserer Mitarbeiterinnen hat ihre Erfahrungen in einem Blog festgehalten.

Mit Kind auf der Straße

Eine slowakische Frau ist mit ihrer etwa 11-jährigen Tochter bei uns gestrandet. Sie sind hier völlig übermüdet und ausgehungert angekommen. Im Gepäck nur eine höchst merkwürdige Story, warum sie in Frankreich bei ihrem Freund gelebt haben und nun rausgeflogen sind.
Ständig verschwindet die nervöse Mutter, um zu rauchen. Ihre Tochter sitzt stundenlang da und schaut sich manchmal auch mit ihrer Mutter gemeinsam die ausgelegte Kinderbibel an. Wenn die Mutter verschwindet, vertieft sie sich in ein Bild, dass sie mit den Wachs- und Buntstiften auf Kopierpapier malt. Später sehe ich die beiden gemeinsam malen. Es sieht fast wie eine friedliche Freizeitbeschäftigung aus. Ein Familienprojekt.
Dennoch ist die Lage eher aussichtslos. Als Migranten aus dem europäischen Ausland haben die beiden keinen Anspruch auf Sozialleistungen und heute Nacht keine Übernachtungsmöglichkeit. Wir werden die Polizei rufen müssen, damit die sich darum kümmert. Denn Minderjährige auf der Straße schlafen zu lassen, können wir nicht verantworten.
Mutter und Tochter sind hier in der Bahnhofsmission, um die nächsten Schritte für sich zu planen. Wir sind ein Ort, an dem man zur Ruhe kommen kann.

Geliehene Augen

Heute begleite ich eine Blinde Dame zum Zug. Sie ist schön des Öfteren bei uns gewesen und strahlt jedes Mal wenn sie einem von den Ehrenamtlichen begegnet. Ich warte an der Straßenbahn und schaue mich um, ohne sie gleich zu finden. Nach ein paar Minuten höre ich Rufe. „Hallo, hierher!“. Ein Passant hat mit der Dame auf mich gewartet und mich dann angesprochen. Er hat ihr seine Augen geliehen. Das berührt mich. Sie sagt, der Mann wollte sie sogar zum Zug begleiten, obwohl er ein völlig Fremder für sie war. Dann hakt sich die Dame bei mir ein und wir kaufen gemeinsam ein Ticket für sie. Außer meiner Sehkraft braucht die Dame nichts weiter, um am Bahnhof gut zurechtzukommen.

Alkoholismus: Begegnungen mit dem Gift

Heute hatte ich ein Gespräch mit einem sehr netten, feinfühligen Mann. Er ist noch relativ jung, aber er scheint niedergeschlagen zu sein. Als ich ihn anspreche, ist er dankbar für mein Nachfragen. Er spricht von großer Schuld in seinem Leben. Außerdem erzählt er von seinem letzten Rückfall in den Alkoholismus, den er sich selbst nicht vergeben kann. Auch Gott habe ein Maß der Vergebung und das sei nun voll, meint er verzweifelt. Angst, große Angst vor dem Gericht Gottes habe er, erzählt er weiter. So gerne würde ich ihm all diese Gedanken abnehmen und ihm sagen, wie groß Gottes Liebe besonders für die Schwachen ist. Als ich ihm sage, dass ich ihn für seine Kraft bewundere, schaut er mich erstaunt an. Ich weiß, dass es sehr schwer ist, aus der Alkoholsucht herauszukommen. Es erfordert so viel Mut, sich seinem Verhalten während des Rückfalls zu stellen.

Begegnung beim Kaffee

"Der Kaffee zu Hause schmeckt mir nicht..." sagt ein älterer Mann mit einem Grinsen zu mir. Man sieht seine kaputten Zähne und seine strahlenden Augen. Er kommt jeden Nachmittag hierher und bestellt immer eine und manchmal sogar zwei Tassen Kaffee. "Daheim habe ich eine tolle Maschine und denselben Kaffee, wie ihr hier in der Bahnhofsmission. Aber ganz alleine in meinem Wohnzimmer schmeckt er mir einfach nicht." Ich nicke wissend, denn ich verstehe: Zum Kaffee trinken braucht man Gesellschaft. Und diese gibt es hier in der Bahnhofsmission. Das rettet meinen Nachmittag. Denn dieser Mann hat mir mal wieder gezeigt, warum wir für unsere Gäste wichtig sind.

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Bahnhofsmission Freiburg

Hbf Freiburg (Ende v. Gleis 1)
Bismarckallee 7f
79098 Freiburg
Tel. 0761 22877
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